Alea iacta est – Die Würfel sind gefallen

Ende Oktober war es soweit, wollten wir unseren Zeitplan einhalten war dies der Augenblick wo es ernst galt und unsere Arbeitsstellen, Mietverträge, Versicherungen und weitere laufende Verpflichtungen, welche sich über die Jahre eines zivilen Lebens ansammeln, zu kündigen waren. Ein einschneidendes Erlebnis, den langjährigen Chef zum Gespräch einzuladen und ihm die Nachricht zu überbringen. Etwas Wehmut bleibt trotzdem, habe ich doch gerne für diesen Arbeitgeber gearbeitet und die Arbeit gefiel mir. Bei Yael und ihrem Grossarbeitgeber lief das ganze viel unpersönlicher ab und ein eingeschriebener Brief übernahm die Aufgabe der Nachrichtenübermittlung. Wenn ich ehrlich bin, brauchte es schon mehr Überwindung als gedacht, alle Sicherheiten im Leben aufzugeben und somit den „ersten“ Schritt unserer Reise zu gehen. Aber nun gibt es kein Zurück mehr, auch wenn wir der Überzeugung sind eine Wiedereingliederung wäre zu jedem Zeitpunkt wieder möglich. Aber die Rückkehr soll nach unserem Ermessen ja auch erst wieder in einigen Jahren ein Thema werden.

Nun laufen also die letzten 3 Monate in einem geregelten Leben, auch wenn die noch anstehenden Arbeiten und Pendenzen nicht das Gefühl aufkommen lassen in einem vom Alltag geprägten Ablauf zu stecken. So stehen Wohnungsbesichtigungen an, gute Plätzchen für die Haustiere wollen gefunden werden, diverse Behördengänge und administrative Arbeiten müssen erledigt werden. Immer mehr kommen wir zu der Überzeugung, dass sich dieser Aufwand lediglich lohnt wenn dann auch die Reisezeit entsprechend lang ausfällt. Beim Gedanken daran, lediglich für einige Monate des Reisens einen solchen Aufwand zu stemmen sind wir froh uns einen weiteren Horizont gesteckt zu haben. Auch wenn es nur noch drei Monate dauert, bis wir auf unser Boot ziehen werden scheint dieser Punkt noch so weit entfernt und trotzdem mahnt einem der Kalender vor dem baldigen Tag X. Neben den noch anstehenden Arbeiten und Pendenzen widmen wir uns auch ausgiebig dem sozialen Leben und unserem Umfeld. Wollen doch alle Freunde und Bekannte noch einmal besucht werden und auch wir haben das Bedürfnis noch möglichst viel Zeit mit unseren Familien und Freunden zu verbringen und saugen diese Momente jeweils regelrecht in uns auf. Über diese gemeinsame Zeit legt sich aber auch ein leicht grauen Schleier, wissen wir ja nicht was das Leben für die Daheimgebliebenen bereit hält und ob wir alle wiedersehen werden. Wir mussten in der Vergangenheit lernen, einen idealen Zeitpunkt für die Abreise gibt es nicht. Entweder fehlt die Zeit, das Geld, beides zusammen oder es passt einfach gerade nicht in den Lebensentwurf. Wir stellen uns auch ab und zu die Frage wie sich wohl unsere Heimat in der Zeit verändern wird. Stehen doch zum Beispiel einige grössere Bauprojekte in der Region an welche das Gesicht und die Landschaft verändern und prägen werden. Alles in allem schwimmen wir in einem grossen Topf an gemischten Gefühlen, Erwartungen und Befindlichkeiten. Die Vorfreude ist jedoch das vorherrschende Gefühl und soll es auch bleiben. Wir haben diesen Weg eingeschlagen und sind fest gewillt diesen zusammen zu gehen und alle Aufgaben zu meistern die in naher und ferner Zukunft auf uns zurollen werden.

Und so geniessen wir den letzten „kalten“ Winter für lange Zeit und lassen uns noch einige saisonale Köstlichkeiten schmecken welche unterwegs kaum zu beschaffen sein werden oder bei den vorherrschenden Temperaturen in unserem Reisegebiet schlicht unangebracht wären. Was auch der Grund sein dürfte wieso Glühwein in der Karibik keinen reissenden Absatz findet. Wobei bei den aktuellen Temperaturen bei uns in der Schweiz sich die Nachfrage danach auch in Grenzen halten wird. Wenn ich jedoch an die im Februar geplanten Arbeiten am Boot, in einer ungeheizten Halle an der Ostsee denke, wäre ich einem milden Winter nicht abgeneigt. In diesem Sinne: „Möge uns das Wetter gnädig sein und der Himmel nicht auf den Kopf fallen – beim Teutates“

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