Die erste Etappe…

Donnerstag 23.05.2019 Lemkenhafen, D – Marstal, DK; 36,7Nm 8h35min Morgens um 7 Uhr klingelt bereits der Wecker, ein mittlerweile recht unbekanntes Gefühl geworden, sich vom nervigen Klang des Smartphones aus den Träumen reissen zu lassen. Jedoch gibt es noch so Einiges zu erledigen bevor wir uns auf die erste Etappe unserer Reise begeben können. Unser Auto werden wir für die nächsten Wochen in der Halle eines ortsansässigen Kranunternehmens und Lagerhallenbetreibers unterstellen ohne zu ahnen, welche Probleme wir beim Abholen des Fahrzeuges zu bewältigen haben werden. Nachdem alles erledigt war und wir uns beim Hafenmeister abgemeldet hatten stieg der Adrenalinpegel markant an, hatten wir doch ausser den beiden kleinen Hafenmanövern in den letzten Wochen keinerlei Erfahrung mit dem Handling unseres Bootes sammeln können. Aber der grosse Moment war gekommen, reichlich nervös aber trotzdem erstaunlich problemlos legten wir um 11.45h rückwärts aus unserer Box ab und schafften es ohne materiellen oder personellen Schaden den Hafen zu verlassen und über die ausgebaggerte Fahrrinne das „offene“ Wasser zu erreichen. Auch umschifften wir die zahlreichen Untiefen im „Orther Ree“, welche in den letzten Tagen bereits anderen Seglern zum Verhängnis wurden. Diese wurden jedoch glücklicherweise von zufällig vorbeifahrenden Fischern zurück ins tiefere Wasser gezogen und konnten ihre Fahrt ohne Schaden aber mit einem ordentlichen Schrecken weiterführen. Wettertechnisch konnten wir auch nicht meckern, schien doch die Sonne mit voller Kraft vom Himmel und ein laues Lüftchen kühlte uns sogleich wieder ab. Zum Segeln jedoch war dieser Wind nicht zu gebrauchen zumindest nicht für uns, mussten wir doch genau in die Richtung wo der Wind herkam und das ist mit einem Segelboot nur mit Aufkreuzen zu erreichen, was bei der anstehenden Strecke jedoch zu lange gedauert hätte. Also entschieden wir uns, wie alle anderen Boote die auf dem gleichen Kurs unterwegs waren, die Maschine zu Hilfe zu nehmen und die Segel aufgerollt und verstaut zu lassen. Und so tuckerten wir ohne nennenswerte Vorkommnisse über die offene Ostsee. Ein Urlaubsgefühl konnte sich jedoch nicht recht einstellen, da wir uns dieser surrealen Situation ,endlich unterwegs zu sein, noch nicht recht hingeben konnten. Aber je länger die Überfahrt dauerte umso entspannter waren wir und konnten die Fahrt sogar geniessen. Ca. 5 Seemeilen vor der dänischen Insel Langeland wurden wir jedoch immer mehr von kleinen, schwarzen Käfern heimgesucht. Zu hunderten bedeckten diese nicht gerade flinken aber lästigen, kleinen Biester unser Boot und verdreckten das Deck, da sie von allerlei beweglichen Teilen und Gegenständen platt gedrückt wurden. Wie wir später in Erfahrung bringen konnten, handelt es sich dabei um den Rapsglanzkäfer und wir waren nicht die Einzigen die „attackiert“ wurden auf der Überfahrt. Nach diesem kleinen Aufreger mussten wir uns aber auch schon bereit machen für die Ankunft in Marstal auf der Insel Ærø. Die Anfahrt des örtlichen Hafens ist gut betonnt aber auch relativ schmal, weshalb wir uns nach der eher legeren Überfahrt eher wieder etwas mehr konzentrieren und den Kurs exakt halten mussten. Das Anlegemanöver klappte dann zwar nicht perfekt aber mit freundlicher Hilfe auf dem Anlegesteg und etwas Gefluche auf unserem Boot waren wir schliesslich nach ein paar Minuten um 20.20h auch sicher vertäut und froh diese erste Etappe geschafft zu haben. Äusserst freundlich wurden wir von der Crew der Yacht „Karo As“ begrüsst und umgehend mit einem kühlen Anlegerbier willkommen geheissen. So brauchte es dann auch keine grossen Überredungskünste mehr um an diesem ereignisreichen Tag früh schlafen zu gehen und so vielen wir bald darauf beide in einen seeligen und tiefen Schlaf.

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