Vom Winde verweht…

Samstag 7. September 2019; Urk nach Weesp über die Randmeere 110km; Schleusen: 3; Brücken: 11 wovon 1 geöffnet wurdeSeit Dienstagabend liegen wir nun im Hafen von Urk. Wir wurden eingeweht und dies im wahrsten Sinn des Wortes. Durch den nahegelegenen Strand wehte der böige und starke Westwind der letzten Tage eine Menge Sand auf unser Boot. Überall knirrscht es, selbst beim Essen. Dieser Wind ist auch der Grund für unseren langen Aufenthalt auf der ehemaligen Insel Urk. Mit aktuell ca. 20’000 Einwohnern und dem Titel „frommste Stadt Hollands“ ist da ausserhalb der Saison nicht gerade viel los. Aber man kann sehr gut verproviantieren und zu sehen gibt es auch so Einiges. Aber nach vier Nächten hatten wir nun alles gesehen, unsere Vorräte waren aufgestockt und von schönen Sonnenuntergängen kommen wir auch nicht weiter. Bei 7 Bft und in Böen noch mehr hatten wir keine Lust auf das IJsselmeer und seine Randmeere und gefährlich hätte es da auch werden können. Aber heute war es soweit, der Wetterbericht machte uns Mut und tatsächlich wehte nur noch ein mässiger Wind sls der Wecker unverschämt früh klingelte. Trotzdem stand noch etwas Restdünung, damit wir auch ja noch unsere Portion Schaukelei abkriegten. Wir legten bereits um 7.30h ab, wollten wir doch etwas verlorene Zeit der letzten Hafentagen gutmachen. Und so waren wir praktisch alleine unterwegs als wir der aufsteigenden Sonne entgegen unter der imposanten Brücke hindurch ins Ketelmeer gelangten.Nur vereinzelt Berufsschiffahrt war unterwegs. Das Wetter besserte sich noch weiter und bald zogen wir unter blauem Himmel weiter unsere Spur ins Wasser. Die Luftmassen waren jedoch so instabil, dass sich später wieder Wolken auftürmen sollten und ein beachtliches Schauspiel boten.So langsam merkten wir auch schon die heute zurückgelegten Kilometer in unseren Knochen als wir in das IJmeer gelangten. Da wurden wir auch schon von den heftigen Wellen begrüsst die sich auf dieser riesigen Wasserfläche des Markermeeres bei mittlerweile wieder vorherrschenden 6 Bft bilden konnten. Dummerweise verliefen die Wellenkämme im rechten Winkel zu unserem geplanten Kurs. Die Schaukelei eskalierte, der knurrende Magen und die Müdigkeit trugen das Ihrige dazu bei, so das bald trotz angenehmer Abendsonne etwas kühlere Stimmung an Bord herrschte… Aber wir rauften uns zusammen und nach dem passieren der Schleuse in Muiden, mit herrlichem Blick auf das Schloss, erreichten wir die Vecht.Wie wir von Anderen erfahren haben soll dieser Fluss zu den schönsten Abschnitten auf unserem Weg ins Mittelmeer gehören. Bauten sich doch die reichen Amsterdamer Kaufleute entlang dieses mäandernden Flusses ihre prächtigen Wochenend- und Ferienhäuser. Bevor es Morgen also malerisch weitergehen soll, machen wir nach über 12 Stunden Fahrt und 110km in Weesp am zentralen Lieger fest und beschränken das Abendprogramm aufs Wesentlichste. Wir fühlen uns als hätten wir heute die Strecke zu Fuss zurückgelegt.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.