Schlängelnd durch noble Vorgärten

Sonntag, 8. September 2019; Weesp nach Maarssen 29km; Schleusen: 0; Brücken 11 wovon 3 geöffnet wurden.

Trotzdem das es Sonntag ist, klingelte der Wecker bereits um 8 Uhr. Wir wollten zeitig los, da die Geschwindigkeit auf unserer heutigen Strecke auf 9km/h bzw. sogar 6km/h beschränkt ist. Und an unserem heutigen Etappenziel sollte es einen Bootszubehörladen geben der Sonntags bis 16h geöffnet hat. Da wir am Vorabend so spät angekommen sind haben wir die Anmeldung beim Hafenmeister auf heute verschoben. Als nach mehrmaligem, telefonischem Nachfragen immer noch kein Hafenmeister auftauchte und alle anderen Boote an dem Liegeplatz bereits aufgebrochen sind, legten wir um 9.30h auch ab. Einen ersten Eindruck von der Landschaft und den beeindruckenden und malerischen Schlössern und Häuser haben wir ja auf dem kurzen Abschnitt am Vortag gewinnen können. Was aber heute folgte verschlug uns zeitweise die Sprache, die Berichte von anderen Kanalfahrern hatten nicht übertrieben. Landschaftlich und architektonisch war es eine Augenweide, aber seht am Besten selbst auf den Fotos…

An die Schiffsführung wurden heute keine grossen Anforderungen gestellt, lediglich ein paar tiefe Brücken, bei welchen wir die maximale Durchfahrtshöhe mehrmals testen konnten. Eine Überraschung sollte aber die Vecht noch für uns bereit halten. Als wir kurz vor unserem Ziel bereits in der Ortschaft Maarssen unterwegs waren und der Kanal dadurch immer enger wurde kamen hinter einer Biegung auf einmal zwei grosse Touristen-Ausflugsboote um die Ecke. Jedes von den Beiden hatte eine Kapazität vo 160 Personen. Viel Zeit zum reagieren blieb da nicht, so weit wie möglich rechts halten und hoffen, dass die angegebene Wassertiefe von 1.60m möglichst weit nach aussen beibehalten wird. Viel Wasser war da wohl nicht mehr unter unserem Kiel als wir die beiden Boote in sehr nahem Abstand passierten. Was waren wir froh, hatten wir es nicht eilig und waren sogar langsamer als die maximalen 6km/h unterwegs. Nicht auszudenken, wären wir wie die meisten Boote deutlich schneller als erlaubt unterwegs gewesen, wobei unsere maximale Geschwindigkeit jetzt auch nicht so überragend hoch ist. Aber selbst 5km/h mehr sind bei solch engen Verhältnissen und einem gemässigten Langkieler eine enorme Geschwindigkeitszunahme und die Reaktionszeiten sind sehr langsam und nicht mit einem PKW zu vergleichen. Deshalb möchten wir auch nicht mit den Kapitänen in der Berufsschiffahrt tauschen, sind wir doch regelmässig schwer beeindruckt von deren seemännischen Fähigkeiten und Gelassenheit bei der Manöverierung von über 100 Meter langen Frachtern auf engstem Raum.
Als wir uns etwas von dem Adrenalinstoss beim Durchfahren von Maarssen erholt hattrn, war es auch schon Zeit nach einem Anleger in der Nähe des Bootszubehörshops Ausschau zu halten. Leider waren direkt vor dem Geschäft die beiden Plätze durch ziemlich grosse Motorboote belegt. Also fuhren wir noch ein paar hundert Meter weiter und machten an einer Mauer vor einer Klappbrücke fest und entschieden, dass für heute Schluss sei. Es war jedoch noch genug Zeit um unsere Dieselvorräte aufzistocken, dem vorhin erwähnten Geschäft einen Besuch abzustatten. Also haben wir unseren roten Bollerwagen auseinander geklappt und sind zu Fuss los in diesen Vorort von Utrecht. Mit 40 Liter Diesel in Kanistern, einem Wocheneinkauf bei Albert Heijn, zwei Paar Flipflops aus einem Outletsore und vollen Mägen nach dem Besuch einer ortsansässigen und sehr typischen Snackbude machten wir uns auf den halbstündigen Rückweg. Das Gewicht merkte man beim Ziehen des Wagens ganz gut, war er doch etwas überladen. Auf dem Rückweg hatten wir noch die Möglichkeit die schmale und dauerhaft offenstehende Verbindungsschleuse von der Vecht in den Amsterdam-Rijnkanal einzusehen. Dieser Kanal ist eine Autobahn für Berufsschiffe und trotz vorhandenem Spiegel sieht man die grossen Brummer nicht kommen. Aber man kann ja morgen vor der Durchfahrt mal lieb bei „Sector Maarssen“ anfragen wie den die Situation aussieht. Der angegebene Kanal ist ja noch über Seefunk zu erreichen. Sobald wir jedoch im Bereich der Binnenfunkkanäle sind, werden wir auf das Handy zurückgreifen müssen, da wir weder ein entsprechendes Funkgerät besitzen noch den dafür benötigten Schein.

Reichts oder sind wir zu hoch? Vertrauen wir mal auf die Kartenangaben und dem geschulten Auge der hier immer noch präsenten Brückenwärtern.
Reicht wieder für eine Weile. Unser Verbrauch liegt bei ca. 1 Liter pro Stunde.
Unser Liegeplatz für die Nacht, zwar ohne Landstrom und Wasser.

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