Auf der Autobahn

Montag, 9. September 2019; Maarssen nach Maasbommel 73,4km; Schleusen: 6; Brücken 28 wovon 1 geöffnet wurde.

Nach der malerischen Fahrt von Gestern erwartete uns am heutigen Tag das pure Gegenteil. Der Amsterdam-Rijnkanal (ARK), der Waal (Rhein in den Niederlanden) und die Maas sind Autobahnen der Berufs- und Grossschiffahrt. Bevor wir jedoch diese erreichen, müssen wir hinaus aus der Vecht auf den ARK gelangen und dies erst noch auf die gegenüberliegende Seite. Dabei kreuzen wir die Fahrwasser in beide Richtungen. Wie im Bericht vom Vortag erwähnt ist dies eine ziemlich haarige Sache, wenn man keinen Funkkontakt zu „Sector Maarssen“ hat der einem mitteilt, dass die Ausfahrt frei ist. Es ist zwar ein Spiegel angebracht aber wenn man den Tanker darin sieht ist es eh schon zu spät.

Unübersichtliche Verbindung von der Vecht in den Amsterdam-Rijnkanal

Also nach dem Ablegemanöver, bei morgendlichem Sonnenschein, kurz auf VHF Kanal 61 angefragt und die Bestätigung erhalten, dass wir freie Fahrt zu erwarten haben. Dies war dann auch so und die Ausfahrt gestaltete sich stressfrei. Damit war es dann auch aber recht schnell vorbei. Bedingt durch die Spundwände, welche den Kanal auf beiden Seiten einfassen schlagen die Wellen zurück und erzeugen so zum Teil beachtliche und steile Wellen, welche die Begegnungen jedesmal zu einem kleinen Ritt auf einer Achterbahn werden lassen. Am eindrücklichsten war dann auch die Begegnung mit einem Schubverband bestehend aus 4 Bargen und einem Schubboot. Dieser erzeugte die grössten und eindrücklichsten Wellen die wir bisher je auf einem Kanal sahen. Nicht einmal im Nord-Ostseekanal mit den riesigen Frachtern erlebten wir so etwas. Aber diese Wellen waren nicht gefährlich oder unangenehm und so konnten wir die Schaukelei zur Abwechslung sogar einmal geniessen.

Schubverband, der uns so durchgeschaukelt hat
So schön schaukelte es nach der Begegnung mit dem Schubverband

Die Schleusen die wir passieren mussten waren dann aber nicht für Sportboote ausgelegt und so mussten wir uns mit einem einzigen Poller für das ganze Boot begnügen, da die Abstände zwischen den Poller viel zu gross waren für unser 8,25m Zuhause. Wie es der Name schon sagt, verbindet der Kanal Amsterdam mit dem Rhein und so wurden wir nach verlassen der letzten Schleuse des Kanals vom Rhein und noch mehr Berufsschiffahrt begrüsst. Da unsere Maschine mit der Strömung des Rheins (ca. 5km/h an dieser Stelle) gegenan nicht klar kommen würde bzw. das Tempo einfach unerträglich langsam wäre bogen wir nun nach Westen ab und fuhren somit eigentlich in die „falsche“ Richtung. Aber nach 12km, welche mit soviel Schub von hinten recht schnell vorbei zogen, konnten wir den Rhein bereits wieder verlassen und mittels St. Andries-Schleuse gelangten wir in die Maas. Zu den Schleusen ist zu sagen, dass nach vorheriger telefonischer Anmeldung kaum Wartezeiten für uns entstanden sind was aber auch sicher etwas der Nachsaison geschuldet sein dürfte. Wir wollen uns nicht vorstellen was hier wohl in der Hochsaison an einem sonnigen Wochenende los ist. Auf der Maas wurde die Strecke dann auch wieder etwas „freundlicher und natürlicher“. Etwas kleinere Berufsschiffe, keine Hindernisse und von Spundwänden und Sporen nichts mehr zu sehen. Dafür kommen nun in regelmässigen Abständen Gierseilfähren welche man mit gebührendem Abstand passieren sollte, da diese an einem unter Wasser geführten Drahtseil verkehren. Und dieses Drahtseil möchte man auf keinen Fall mit dem Kiel touchieren. Aber die Fährleute verstehen ihr Handwerk und so müssen wir kaum je unsere Fahrt etwas drosseln um die Fähre zu passieren. Bei tiefstehender Sonne und warmen Temperaturen machen wir um ca. 18.30h im Hafen des „WSV de Gouden Ham“ fest. Nach einer dringend benötigten Dusche fallen wir auch schon bald in unseren verdienten Schlaf. Diese ganztägigen Etappen sind schon etwas kräfteraubend aber wir müssen nun mal etwas Zeit gutmachen und jeder Kilometer muss erarbeitet werden.

Blick in die Schleuse beim Einfahren
Blick aus der Schleuse, nach dem Aufstieg
Industrie wo man hinschaut
Auf Tuchfühlung beim Überholmanöver

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