Durch die Ardennen und vom Wasser auf die Strasse…

Fast drei Monate sind nun seit dem letzten Blogeintrag ins Land gegangen, wir waren nicht untätig auch wenn sich unsere Pläne ein weiteres Mal durch unvorhergesehene Umstände geändert haben.

An der Kaimauer in Maastricht, NL

Das Ziel bleibt mittelfristig dasselbe, auf eigenem Kiel ins Mittelmeer und dann weiter Richtung Süden. Wie aber bereits im letzten Beitrag angetönt, haben die französischen Kanalbehörden einige Einwände gegen unsere Pläne und der Weg ins Mittelmeer ist für diesen Herbst/Winter zu. Auch wenn ich nun etwas vorgreife, Leidesgenossen von uns hatten mehr Geduld und die bessere Bordheizung und sind Ende November/Anfangs Dezember im Mittelmeer angekommen. Für uns war dies jedoch keine Option nach der kurzen Phase des Unterwegsseins bereits wieder in einem Provinzhafen irgendwo im tiefsten Binnenland zu versauern. Also suchten wir nach passablen Alternativen. Zuerst galt es aber noch die Niederlande zu verlassen und der Maas in Belgien unsere Aufwartung zu machen.  

Erste Schleuse in Belgien, die erforderliche Flagge am Bugkorb ist gesetzt.

Freitag 13. September 2019; Maastricht, NL nach Huy, BE 57.7km; Schleusen: 3; Brücken 25 wovon 0 geöffnet wurden.

Nach einem frühmorgendlichen Besuch beim örtlichen Schiffszubehörhandel www.nauticajansen.nl um noch Kanalkarten, Flaggen und einen Kugelfender zu kaufen konnten wir kurz nach 10h von der spektakulären Anlage in Maastricht ablegen. Heute soll es so weit wie möglich nach Süden gehen, mal schauen wie weit wir es heute schaffen. Etwas Bauchschmerzen machten uns noch die bürokratischen Hürden, welche Belgien von ihren Bootsgästen verlangt. Nach einem kurzen Reststück in den Niederlanden empfing uns Belgien mit einer riesigen Schleusenanlage. Dadurch wurde das erste Mal verlangt, dass man am Funk auf Französisch kommuniziert. Nachdem wir uns jedoch die korrekten Worte bereits eingeprägt haben klappte auch dies einwandfrei. Als wir die Schleuse befuhren, machte von den anderen Sportbooten niemand Anstalten das Büro des Schleusenwärters aufzusuchen um sich anzumelden. Auch kam niemand aus dem Büro auf uns zu, also passierten wir die Schleuse ohne administrative Arbeiten und hoffen dabei, dass dies kein Fehler war und wir deswegen keine Probleme bekommen werden. Kanalgebühren fallen im wallonischen Teil Belgiens jedenfalls Fall keine an und so wäre es lediglich eine administrative Verfehlung. 😉

Durchfahrt durch Huy, BE

Allgemein ist zu den belgischen Wasserwegen zu sagen, dass diese nicht gerade für Sportboote ausgelegt sind und wir deshalb immer wieder gefordert werden, da alle Anlagen für grosse Schiffe gebaut sind und wir meistens improvisieren müssen um festzumachen. Alles in Allem war es jedoch eine ereignislose Fahrt und so machten wir nach ca. 8h 30min im royalen Yachtclub von Huy fest. Was an diesem Hafen jedoch so königlich sein sollte, ausser dem Wappen auf der Quittung, erschloss sich uns nicht auf den ersten oder gar zweiten Blick. Zu der eher trostlosen Umgebung passte das mehrere Kühltürme umfassende Kernkraftwerk auf der gegenüberliegenden Flussseite perfekt und so gab es nichts was uns an diesem Ort hielt.

Das Kernkraftwerk von Huy in direkter Nachbarschaft.

Samstag 14. September 2019; Huy, BE nach Namur, BE 29.6km; Schleuse: 1; Brücken 12 wovon 0 geöffnet wurden.

Trotz der etwas industriellen Umgebung und der leicht heruntergekommenen Hafenanlage kamen wir erst gegen Mittag los. Grund dafür war die beschädigte Steganlage welche von uns erforderte unser Boot mittels Leinen um 180° zu wenden, damit der Propeller beim Ablegen nicht beschädigt wird. Eine Metallleiste ragte vom Steg ca. einen Meter ins Wasser hinaus und drohte bei einer allfälligen Berührung einen beachtlichen Schaden am Boot oder dem Propeller zu hinterlassen. Mittlerweile sind wir aber so geübt, dass wir dieses Unterfangen in kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen hatten. Danach ging es gemütlich, in Schritttempo weiter nach Namur, der wallonischen «Hauptstadt». Dort fliesst die «Sambre» in die «Maas» und somit gibt es auch zwei Möglichkeiten den weiteren Weg zu bestreiten. Geplant ist ja der Maas zu folgen und so nach Nordfrankreich zu gelangen. Alternativ gibt es den längeren Weg, westwärts über die Sambre und den Canal de Centre, was aber einen nicht unerheblichen Umweg bedeuten würde. Die Situation auf den französischen Kanälen würde bedeuten, dass wir diesen Weg nehmen müssen. Jedoch finden wir noch am selben Tag heraus, dass dieser Weg in wenigen Tagen auch gesperrt sein wird. Und die vor uns liegende Strecke wäre zu weit, als dass wir es in der verbleibenden Zeit schaffen würden. Somit ist nun guter Rat teuer und wir entschliessen uns das vor uns liegende Wochenende im malerischen Hafen von Namur, direkt unter der Zitadelle gelegen, zu verbringen und uns Gedanken über den weiteren Verlauf unserer Reise zu machen. Wie es der Zufall will, ist der 14. September der «Tag der Wallonie» und so kommen wir in den Genuss eines beeindruckenden Feuerwerks direkt vor der «Haustüre». Jedoch schwebt etwas Wehmut über unserem Boot ahnen wir doch, dass sich unsere Bootsreise für das Jahr 2019 dem Ende neigt und wir eher früher als spät nach einem Winterlageplatz Ausschau halten müssen. Der Umstand, dass nach dem kurzen Abschnitt des Vorwärtskommens bereits wieder eine ungeplante Unterbrechung ansteht, dämpft die Stimmung doch ungemein. Und so kommt es, dass wir bei einem abendlichen Umtrunk die Gedanken um die nächsten Wochen und Monate kreisen lassen und wir nach passablen Alternativen Ausschau halten. Sollen wir einfach weiterfahren bis wir durch eine geschlossene Schleuse gestoppt werden, schlagen wir einen anderen Weg ein, fahren durch Paris und über die Seine zurück in den Atlantik oder vielleicht etwas ganz Anderes? Und auf einmal ist sie da, klar und deutlich, die Idee wie wir die nächste Zeit gestalten werden. Unser Auto steht ja immer noch im Hafen von Heerenveen und ist somit in einer vertretbaren Zeit erreichbar. Gesagt, getan, sitzen wir am nächsten Morgen in einem Leihwagen und fahren von Namur zurück an den Ausgangspunkt unserer Etappe. Schon etwas frustrierend, wenn man bedenkt, dass wir nun in 3h dieselbe Strecke zurücklegen wofür wir mit dem Boot zwei Wochen benötigten. Unser Plan ist es also, dass wir uns im nahe gelegenen Sport- und Freizeitmarkt mit dem in französischen Gefilden bekannten, blauen Logo mit Zelt und weiterem Campingmaterial eindecken und uns danach auf einen Roadtrip durch Belgien, Frankreich und Spanien begeben. Noch gibt es jedoch einige vorbereitende Arbeiten am Boot zu erledigen und unser schwimmendes Zuhause danach in unser Winterlager in der Nähe von Namur zu verlegen. Sobald wir mit dem Auto unterwegs sein werden steht ein Besuch bei befreundeten Vega-Seglern aus den Niederlanden an, diese sind ein rechtes Stück weitergekommen als wir und stecken aktuell in Reims, F fest und kommen ebenfalls nicht weiter. Sie werden jedoch das Mittelmeer noch im Jahr 2019 erreichen, unter erschwerten Bedingungen, wie wir später erfahren.

Feuerwerk in Namur, BE
Auf der Sombre in Namur, BE

Durch das Stadtzentrum auf dem Weg ins Winterlager.

Gondelbahn über die Maas

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