Auf Kriegsfuss mit den Grossen und ein vermeintlicher Ruhetag

Mittwoch 11. September 2019; Venlo nach Maastricht 73,2km; Schleusen: 4; Brücken 24 wovon 0 geöffnet wurden.

Trotzdem wir gestern Abend noch mit dem Bus in die Stadt Venlo gefahren sind um etwas vom städtischen Nachtleben abzukriegen, sind wir am Morgen danach zu gewohnter Uhrzeit aus den Federn geschlichen. Das Morgenritual war wie gehabt, schon komisch wie schnell man selbst an Bord eines kleinen Bootes eine Tagesroutine entwickelt und diese auch benötigt. Das Ablegen bereitete uns erneut keine Probleme und so waren wir schnell wieder im gestrigen Fahrwasser unterwegs, weiter Richtung Süden nach Maastricht. Von diesem Liegeplatz mitten in der Innenstadt von Maastricht, haben wir bereits viel gehört und uns auch schon länger darauf gefreut. Nun sollte es heute also endlich soweit sein, unsere letzte Station in den Niederlanden. Dieses Land mit seinen freundlichen und mehrheitlich fröhlichen Menschen hat uns die letzten drei Monate auf unsere Reise begleitet. Als Wassersportdestination kann ich dieses Land nur wärmstens empfehlen, da gibt es für jeden Geschmack etwas und bis man „alles“ auf dem Wasserweg erkundet hätte würden sicher einige Sommer vergehen.

Auf unserem heutigen Programm stand der Fluss Maas mit seinen Lateralkanälen. Landschaftlich nicht gerade ein Kracher aus unserer Sicht aber das ist nun mal so, wenn der Kanal tiefer liegt als das umgebende Land sehen wir davon dann leider auch nicht viel. Aber links und rechts des Kanals säumen sich alte Flussläufe und Seen, welche sicher auch ein Abstecher wert wären aber aus zeitlichen Gründen liegt dies leider für uns nicht drin und unser Tiefgang von 1,2m ist auch nicht gerade für jedes Gewässer geeignet. Viele Nebenarme und Seen fallen für uns so weg, da sind die Motorbootfahrer schon deutlich im Vorteil.

Heute gab es vier Schleusen zu passieren, alle wieder nur auf die Grosschiffahrt ausgelegt und entsprechend etwas anspruchsvoller für uns zu handhaben. Bei der ersten Schleuse klappte noch alles einwandfrei, bei der zweiten Schleuse waren wir gezwungen kurz an einem Anleger vor der Schleuse zu warten. Als wir nach etwa 10 Minuten Wartezeit mittels „Grün/Rot“ an der Ampel zum Bereitmachen aufgefordert wurden und wir den Motor starten wollten passierte gar nichts. Die Maschine bzw. der Anlasser zeigte keinerlei Funktion. Kein Problem, unser Motor lässt sich ja auch mit einer Kurbel starten, da als Selbstzünder kein Zündfunke nötig ist. Aber auch da passierte nicht viel und auf einmal waren die Zylinder und der Dekompressionshebel blockiert und nichts liess sich mehr beheben. Also informierten wir die Schleuse, dass wir noch etwas länger hier bleiben würden und uns später wieder bei ihnen melden würden. Danach ging es los, Werkzeugkoffer zur Hand genommen und mit Taschenlampe im „Maschinenraum“ verschwunden. Zuerst die Ölzufuhr gelöst und dann den Zylinderdeckel demontiert. Glück gehabt, kein Wasser im Zylinder und nun konnte ich auch wieder mit der Kurbel den Motor bewegen. Nachdem ich auch beim Startrelais die Spannung kontrolliert hatte und diese in Ordnung war wurde ich etwas ratlos. Erstmal alles wieder zusammengebaut und dann aus einem Reflex, einfach noch mal den Schlüssel gedreht und siehe da, die Maschine sprang ohne zu murren an. Ich weiss bis jetzt noch nicht was genau das Problem war aber unsere Maschine lief und dies sollte sicherheitshalber zumindest bis heute Abend so bleiben, weshalb wir beschlossen den Motor erst nach dem Anlegen am Abend auszumachen. Nach dieser positiven Überraschung ging es auch gleich schnell weiter, die Schleuse stand noch offen und der Wärter liess uns noch einfahren. Viel Platz waren nachdem bereits zwei Frachtschiffe und zwei grössere Motorboote eingefahren waren nicht mehr vorhanden. Und da alle Schleusenwände belegt waren hingen wir uns einfach an einem der Motoryachten aussen dran ins Päckchen. Somit mussten wir nichts mehr tun zur Schleusung und die Crew des anderen Bootes übernahm die ganze Arbeit für uns. Es blieb aber noch genug Zeit für einen Schwatz mit dem freundlichen, deutschen Eigner. Weiter ging es auf dem Kanal. Auch die dritte Schleuse ein paar Stunden später war dann wieder problemlos und wir schleusten gemeinsam mit einem Frachtschiff, welches uns während unserer Motorpanne überholte. Platz war genügend da und so konnten wir auch genügend Abstand von dessen Schrauben halten. Unten seht ihr den Schleusenvorgang in einem kurzen Zeitraffervideo. In Echtzeit benötigten wir für das gezeigte Manöver ca. 17 Minuten.

Frei gelegte Zylinder bei unserem alten Volvo
Wir bewegen uns in urbanem Umfeld
Zeitrafferaufnahme eines Schleusenvorgangs

Die Strecke war sehr monoton und so sehnten wir uns nach dem Feierabend. Davor gab es aber noch eine Schleuse und ein paar Stunden Fahrt zu bewältigen. Als wir auf die letzte Schleuse zufuhren, sahen wir diese wieder offen und auf Grün stehen. Also erneut keine Wartezeit, jedoch drosselten wir das Tempo erheblich, da zuerst noch zwei Frachtschiffe einfuhren. Wir achten darauf uns nicht stressen zu lassen und in gebührendem Abstand einzufahren, damit die Schiffe Zeit haben festzumachen und ihre Schraubenleistung zu drosseln. Ansonsten herrschen Zustände wie in einem Whirlpool in der Schleuse und darauf haben wir keine Lust. Diesmal war aber etwas anders als sonst, als wir gerade das Schleusentor passierten, gab der hintere Frachter Vollgas und legte sein Ruder hart an um sich zurück an die Schleusenwand zu drücken, hatte er es nicht für nötig befunden das Heck auch festzumachen. Und es kam was kommen musste, bedingt durch unsere geringe Geschwindigkeit und damit verbundene Trägheit am Ruder wurden unser Bug vom Schraubenwasser in die Schleusenmauer gedrückt. Mehrere Fender verhinderten dass unser Boot Schaden nahm aber die Befestigungen der Mastauflage waren gerissen. Das war an und für sich keine grosse Sache, waren dies doch auch nur grosse Kabelbinder welche wir noch vorrätig hatten und sofort ersetzt werden konnten. Aber der Schock sass uns noch ein paar Minuten in den Knochen und wir waren etwas aufgebracht. Hatte doch der Schiffsführer aus reiner Bequemlichkeit auf das Festmachen des Hecks verzichtet und so durch sein rücksichtsloses Verhalten uns gefährdet. Aufgrund des geringen Platzes war es uns auch nicht möglich kurzfristig mehr Gas zu geben, da ansonsten der Bremsweg nicht mehr ausgereicht hätte bevor wir dem anderen Frachtschiff ins Heck gefahren wären. Fazit: Nichts tragisches passiert aber uns wurde erneut aufgezeigt, dass nicht jeder Kapitän so viel Rücksicht nimmt wie er könnte. Dass es auch anders gehen würde bekamen wir zuvor mehrfach bewiesen. Nach der Schleuse hatten wir aber noch etwas mehr als eine Stunde Zeit den Ärger zu schlucken und uns auf das Anlegemanöver in Maastricht vorzubereiten. Die Stadt kam immer näher und bereits von weitem konnten wir die uns durch Bilder bekannte Brücke sehen. Durch das Fernglas sahen wir auch, dass wir zum Abschluss doch noch etwas Glück hatten und für uns noch ein Liegeplatz zuvorderst bei einem der beiden Aufgänge frei war. Zentimetergenau manöverierten wir unser Boot genau in die freie Lücke und machten um genau 20 Uhr fest. Zur Feier des Tages gönnten wir uns eines der für uns selten gewordenen Essen in einem Restaurant. Etwas später als und bedeutend satter als sonst legten wir uns in unsere Kojen. Morgen steht gross „RUHETAG“ im Kalender.

Donnerstag 12. September 2019; Festgebunden in Maastricht 0,0km; Schleusen: 0; Brücken 0 wovon 0 geöffnet wurden.

Unseren heutigen Ruhetag nutzten wir um uns auf die vor uns liegenden Strecken in Frankreich vorzubereiten. Bis an die französisch-belgische Grenze wussten wir zu diesem Zeitpunkt bereits genau Bescheid. Bei der Durchsicht der verschiedenen „Bulletins de la batellerie“, den aktuellen Zustandsbericht der Wasserwege, stellten wir fest dass aktuelle und zukünftige Vollsperrungen uns den Weg ans Mittelmeer für dieses Jahr fast verunmöglichen werden. Verschiedene Alternativen haben wir geprüft, den Umweg via Paris, Strasbourg, Rhein oder in die gleiche Richtung um dann in der Seine die andere Richtung einzuschlagen und Le Havre anzulaufen um nächstes Jahr im Ärmelkanal unsere Reise fortzusetzen. Wir werden sehen, entscheiden müssen wir Heute und Morgen noch nichts. Der Weg durch Belgien ist der selbe und die Zeit zeigt einem meistens den besseren Weg auf. Aber somit bleibt der weitere Verlauf unserer Reise spannend und überraschend. Morgen machen wir uns auf jeden Fall auf unser nächstes Land zu entern. Belgien, wir haben schon einiges über die bürokratischen Aufwände für die Durchfahrt gehört und uns entsprechend vorbereitet. Wir werden ja sehen ob unsere Infos noch aktuell sind oder sich in den letzten Jahren etwas geändert hat.

Eisenbahnbrücke bei Venlo
An Schwimmpollern befestigt steigen wir gemütlich wie in einem Lift die mehrere Meter empor.
Unser Liegeplatz an der berühmten Mauer von Maastricht

Vorboten des Herbstes

Dienstag, 10. September 2019; Maasbommel nach Venlo 80,4km; Schleusen: 2; Brücken 9 wovon 0 geöffnet wurden.

Was staunten wir nicht schlecht als wir morgens um halb Acht den Kopf aus der Luke streckten… Nebel

Morgenstimmung beim Aufstehen

Da der Sonnenstand aber ja noch relativ hoch ist konnten wir damit rechnen, das sich der Nebel bald lichten würde. Somit hinderte uns nichts daran, den alltäglichen Rythmus beizubehalten und mit den Ablegevorbereitungen zu beginnen. Dazu gehört eine grosse Kanne italienischer Espresso in einer „Bialetti-Kaffeekanne“ aufzubrühen, falls vorhanden einen letzten Besuch den Sanitären Anlagen des Liegeplatzes abstatten, beim Hafenmeister abzumelden, den Landstromanschluss kappen und los gehts. Mit dem Losfahren eines PKW hat das Ablegemanöver eines Bootes nicht viel gemeinsam ausser, dass man einen Motor zu starten hat. Damit hat es sich aber schon, denn wir müssen viel mehr Faktoren beachten und sind viel mehr Variabeln ausgesetzt. Das Anlegen ist aber allgemein viel anspruchsvoller als das Ablegen, was bei der jeweils noch vorhandenen morgendlichen Müdigkeit aber durchaus gewünscht ist. Also raus aus dem Hafen und zurück auf die Maas. Wie bereits gestern landschaftlich nicht all zu spektakulär aber doch nicht mehr so von Industrie geprägt wie am Vortag. Die bereits erwähnten Gierseilfähren sollten uns aber noch eine Weile begleiten. Schleusentechnisch gab es heute nicht viele Traktanden. Zwei mächtige Schleusen, hauptsächlich für die Berufsschiffahrt konstruiert, dies vermag uns aber bereits keine Kopfschmerzen mehr zu bereiten. Sind wir uns es doch mittlerweile gewohnt in Schleusen mit Spundwänden und nur einem verfügbaren Poller zu schleusen und dies mit solchen Höhengewinne, dass die Leinen mehrmals umgelegt werden müssen. Etwas wovon wir wohl nie den Respekt verlieren werden sind die heftigen Strömungen und Strudel welche durch die zum Teil mehrere Meter Durchmesser grossen Schiffsschrauben der Frachtschiffe in den engen und glatten Schleusenkammern erzeugt werden. Die sehen nicht nur furchteinflössend aus, die können unserem kleinen Boot mit schwachem Motor auch ganz schön gefährlich werden. Werden wir zusammen mit mehreren Grosschiffen geschleust, bleibt uns häufig nicht viel Platz zum Anlegen zwischen dem Heck des vor einem liegenden Frachters und des Schleusentores. Und da ein Boot ausser dem Rückwärtsgang keinerlei Bremsfunktion besitzt müssen die geplanten Anlegemanöver in kleinem Tempo auf den Zentimeter genau ausgeführt werden. Steht jedoch eine starke Strömung einer Schiffschraube gegenan oder sogar seitlich müssen wir mit höherer Geschwindigkeit einfahren um das Boot manöverierbar zu halten. Mit abnehmender Geschwindigkeit reagiert nämlich das Boot auch viel weniger schnell und stark auf die Steuerbefehle an der Pinne. Somit bleiben uns trotz einiger Erfahrung genug Vorsicht, Planung und Absprache abverlangt damit unsere Reise kein appruptes Ende an einer Schleusenwand finden wird. Das Wetter spielt aber auch Heute wieder mit und lässt uns trotz etwas Wind die Fahrt gemütlich im Pullover geniessen. Schon fast früh für unsere Verhältnisse machen wir bereits 17.30h im Hafen des WSV Venlo fest. Der Hafen ist etwas suboptimal gelegen, 3km ausserhalb der Stadt, eingezwängt zwischen einer Autobahnbrücke und eines Containerterminals mit laut piepender Containerbrücke. Die Anlage des Hafens ist jedoch ganz ordentlich und sauber. An den Schwimmstegen und den meterhohen Pollern dazu können wir erahnen wie hoch die Wasserstände hier in regenreicheren Jahreszeiten sein können. Auch gilt es eine hohe und steile Böschung mittels Schwimmtreppe zu erklimmen um vom Hafenbecken zum Hafenbüro und den sanitären Anlagen zu gelangen. Das uns die tiefen Wasserstände noch vor grosse Herausforderugen stellen sollte ahnten wir da noch nicht…

Kleine Personenfähre im Hafen „de Gouden Ham“
In einer der beiden Schleusen die es heute zu passieren gab
Beachtliche Errosionen in den unbefestigten Abschnitten
Lage des Hafens in Venlo, eingepfercht zwischen Industrie und Autobahnbrücke

Auf der Autobahn

Montag, 9. September 2019; Maarssen nach Maasbommel 73,4km; Schleusen: 6; Brücken 28 wovon 1 geöffnet wurde.

Nach der malerischen Fahrt von Gestern erwartete uns am heutigen Tag das pure Gegenteil. Der Amsterdam-Rijnkanal (ARK), der Waal (Rhein in den Niederlanden) und die Maas sind Autobahnen der Berufs- und Grossschiffahrt. Bevor wir jedoch diese erreichen, müssen wir hinaus aus der Vecht auf den ARK gelangen und dies erst noch auf die gegenüberliegende Seite. Dabei kreuzen wir die Fahrwasser in beide Richtungen. Wie im Bericht vom Vortag erwähnt ist dies eine ziemlich haarige Sache, wenn man keinen Funkkontakt zu „Sector Maarssen“ hat der einem mitteilt, dass die Ausfahrt frei ist. Es ist zwar ein Spiegel angebracht aber wenn man den Tanker darin sieht ist es eh schon zu spät.

Unübersichtliche Verbindung von der Vecht in den Amsterdam-Rijnkanal

Also nach dem Ablegemanöver, bei morgendlichem Sonnenschein, kurz auf VHF Kanal 61 angefragt und die Bestätigung erhalten, dass wir freie Fahrt zu erwarten haben. Dies war dann auch so und die Ausfahrt gestaltete sich stressfrei. Damit war es dann auch aber recht schnell vorbei. Bedingt durch die Spundwände, welche den Kanal auf beiden Seiten einfassen schlagen die Wellen zurück und erzeugen so zum Teil beachtliche und steile Wellen, welche die Begegnungen jedesmal zu einem kleinen Ritt auf einer Achterbahn werden lassen. Am eindrücklichsten war dann auch die Begegnung mit einem Schubverband bestehend aus 4 Bargen und einem Schubboot. Dieser erzeugte die grössten und eindrücklichsten Wellen die wir bisher je auf einem Kanal sahen. Nicht einmal im Nord-Ostseekanal mit den riesigen Frachtern erlebten wir so etwas. Aber diese Wellen waren nicht gefährlich oder unangenehm und so konnten wir die Schaukelei zur Abwechslung sogar einmal geniessen.

Schubverband, der uns so durchgeschaukelt hat
So schön schaukelte es nach der Begegnung mit dem Schubverband

Die Schleusen die wir passieren mussten waren dann aber nicht für Sportboote ausgelegt und so mussten wir uns mit einem einzigen Poller für das ganze Boot begnügen, da die Abstände zwischen den Poller viel zu gross waren für unser 8,25m Zuhause. Wie es der Name schon sagt, verbindet der Kanal Amsterdam mit dem Rhein und so wurden wir nach verlassen der letzten Schleuse des Kanals vom Rhein und noch mehr Berufsschiffahrt begrüsst. Da unsere Maschine mit der Strömung des Rheins (ca. 5km/h an dieser Stelle) gegenan nicht klar kommen würde bzw. das Tempo einfach unerträglich langsam wäre bogen wir nun nach Westen ab und fuhren somit eigentlich in die „falsche“ Richtung. Aber nach 12km, welche mit soviel Schub von hinten recht schnell vorbei zogen, konnten wir den Rhein bereits wieder verlassen und mittels St. Andries-Schleuse gelangten wir in die Maas. Zu den Schleusen ist zu sagen, dass nach vorheriger telefonischer Anmeldung kaum Wartezeiten für uns entstanden sind was aber auch sicher etwas der Nachsaison geschuldet sein dürfte. Wir wollen uns nicht vorstellen was hier wohl in der Hochsaison an einem sonnigen Wochenende los ist. Auf der Maas wurde die Strecke dann auch wieder etwas „freundlicher und natürlicher“. Etwas kleinere Berufsschiffe, keine Hindernisse und von Spundwänden und Sporen nichts mehr zu sehen. Dafür kommen nun in regelmässigen Abständen Gierseilfähren welche man mit gebührendem Abstand passieren sollte, da diese an einem unter Wasser geführten Drahtseil verkehren. Und dieses Drahtseil möchte man auf keinen Fall mit dem Kiel touchieren. Aber die Fährleute verstehen ihr Handwerk und so müssen wir kaum je unsere Fahrt etwas drosseln um die Fähre zu passieren. Bei tiefstehender Sonne und warmen Temperaturen machen wir um ca. 18.30h im Hafen des „WSV de Gouden Ham“ fest. Nach einer dringend benötigten Dusche fallen wir auch schon bald in unseren verdienten Schlaf. Diese ganztägigen Etappen sind schon etwas kräfteraubend aber wir müssen nun mal etwas Zeit gutmachen und jeder Kilometer muss erarbeitet werden.

Blick in die Schleuse beim Einfahren
Blick aus der Schleuse, nach dem Aufstieg
Industrie wo man hinschaut
Auf Tuchfühlung beim Überholmanöver

Schlängelnd durch noble Vorgärten

Sonntag, 8. September 2019; Weesp nach Maarssen 29km; Schleusen: 0; Brücken 11 wovon 3 geöffnet wurden.

Trotzdem das es Sonntag ist, klingelte der Wecker bereits um 8 Uhr. Wir wollten zeitig los, da die Geschwindigkeit auf unserer heutigen Strecke auf 9km/h bzw. sogar 6km/h beschränkt ist. Und an unserem heutigen Etappenziel sollte es einen Bootszubehörladen geben der Sonntags bis 16h geöffnet hat. Da wir am Vorabend so spät angekommen sind haben wir die Anmeldung beim Hafenmeister auf heute verschoben. Als nach mehrmaligem, telefonischem Nachfragen immer noch kein Hafenmeister auftauchte und alle anderen Boote an dem Liegeplatz bereits aufgebrochen sind, legten wir um 9.30h auch ab. Einen ersten Eindruck von der Landschaft und den beeindruckenden und malerischen Schlössern und Häuser haben wir ja auf dem kurzen Abschnitt am Vortag gewinnen können. Was aber heute folgte verschlug uns zeitweise die Sprache, die Berichte von anderen Kanalfahrern hatten nicht übertrieben. Landschaftlich und architektonisch war es eine Augenweide, aber seht am Besten selbst auf den Fotos…

An die Schiffsführung wurden heute keine grossen Anforderungen gestellt, lediglich ein paar tiefe Brücken, bei welchen wir die maximale Durchfahrtshöhe mehrmals testen konnten. Eine Überraschung sollte aber die Vecht noch für uns bereit halten. Als wir kurz vor unserem Ziel bereits in der Ortschaft Maarssen unterwegs waren und der Kanal dadurch immer enger wurde kamen hinter einer Biegung auf einmal zwei grosse Touristen-Ausflugsboote um die Ecke. Jedes von den Beiden hatte eine Kapazität vo 160 Personen. Viel Zeit zum reagieren blieb da nicht, so weit wie möglich rechts halten und hoffen, dass die angegebene Wassertiefe von 1.60m möglichst weit nach aussen beibehalten wird. Viel Wasser war da wohl nicht mehr unter unserem Kiel als wir die beiden Boote in sehr nahem Abstand passierten. Was waren wir froh, hatten wir es nicht eilig und waren sogar langsamer als die maximalen 6km/h unterwegs. Nicht auszudenken, wären wir wie die meisten Boote deutlich schneller als erlaubt unterwegs gewesen, wobei unsere maximale Geschwindigkeit jetzt auch nicht so überragend hoch ist. Aber selbst 5km/h mehr sind bei solch engen Verhältnissen und einem gemässigten Langkieler eine enorme Geschwindigkeitszunahme und die Reaktionszeiten sind sehr langsam und nicht mit einem PKW zu vergleichen. Deshalb möchten wir auch nicht mit den Kapitänen in der Berufsschiffahrt tauschen, sind wir doch regelmässig schwer beeindruckt von deren seemännischen Fähigkeiten und Gelassenheit bei der Manöverierung von über 100 Meter langen Frachtern auf engstem Raum.
Als wir uns etwas von dem Adrenalinstoss beim Durchfahren von Maarssen erholt hattrn, war es auch schon Zeit nach einem Anleger in der Nähe des Bootszubehörshops Ausschau zu halten. Leider waren direkt vor dem Geschäft die beiden Plätze durch ziemlich grosse Motorboote belegt. Also fuhren wir noch ein paar hundert Meter weiter und machten an einer Mauer vor einer Klappbrücke fest und entschieden, dass für heute Schluss sei. Es war jedoch noch genug Zeit um unsere Dieselvorräte aufzistocken, dem vorhin erwähnten Geschäft einen Besuch abzustatten. Also haben wir unseren roten Bollerwagen auseinander geklappt und sind zu Fuss los in diesen Vorort von Utrecht. Mit 40 Liter Diesel in Kanistern, einem Wocheneinkauf bei Albert Heijn, zwei Paar Flipflops aus einem Outletsore und vollen Mägen nach dem Besuch einer ortsansässigen und sehr typischen Snackbude machten wir uns auf den halbstündigen Rückweg. Das Gewicht merkte man beim Ziehen des Wagens ganz gut, war er doch etwas überladen. Auf dem Rückweg hatten wir noch die Möglichkeit die schmale und dauerhaft offenstehende Verbindungsschleuse von der Vecht in den Amsterdam-Rijnkanal einzusehen. Dieser Kanal ist eine Autobahn für Berufsschiffe und trotz vorhandenem Spiegel sieht man die grossen Brummer nicht kommen. Aber man kann ja morgen vor der Durchfahrt mal lieb bei „Sector Maarssen“ anfragen wie den die Situation aussieht. Der angegebene Kanal ist ja noch über Seefunk zu erreichen. Sobald wir jedoch im Bereich der Binnenfunkkanäle sind, werden wir auf das Handy zurückgreifen müssen, da wir weder ein entsprechendes Funkgerät besitzen noch den dafür benötigten Schein.

Reichts oder sind wir zu hoch? Vertrauen wir mal auf die Kartenangaben und dem geschulten Auge der hier immer noch präsenten Brückenwärtern.
Reicht wieder für eine Weile. Unser Verbrauch liegt bei ca. 1 Liter pro Stunde.
Unser Liegeplatz für die Nacht, zwar ohne Landstrom und Wasser.

Vom Winde verweht…

Samstag 7. September 2019; Urk nach Weesp über die Randmeere 110km; Schleusen: 3; Brücken: 11 wovon 1 geöffnet wurdeSeit Dienstagabend liegen wir nun im Hafen von Urk. Wir wurden eingeweht und dies im wahrsten Sinn des Wortes. Durch den nahegelegenen Strand wehte der böige und starke Westwind der letzten Tage eine Menge Sand auf unser Boot. Überall knirrscht es, selbst beim Essen. Dieser Wind ist auch der Grund für unseren langen Aufenthalt auf der ehemaligen Insel Urk. Mit aktuell ca. 20’000 Einwohnern und dem Titel „frommste Stadt Hollands“ ist da ausserhalb der Saison nicht gerade viel los. Aber man kann sehr gut verproviantieren und zu sehen gibt es auch so Einiges. Aber nach vier Nächten hatten wir nun alles gesehen, unsere Vorräte waren aufgestockt und von schönen Sonnenuntergängen kommen wir auch nicht weiter. Bei 7 Bft und in Böen noch mehr hatten wir keine Lust auf das IJsselmeer und seine Randmeere und gefährlich hätte es da auch werden können. Aber heute war es soweit, der Wetterbericht machte uns Mut und tatsächlich wehte nur noch ein mässiger Wind sls der Wecker unverschämt früh klingelte. Trotzdem stand noch etwas Restdünung, damit wir auch ja noch unsere Portion Schaukelei abkriegten. Wir legten bereits um 7.30h ab, wollten wir doch etwas verlorene Zeit der letzten Hafentagen gutmachen. Und so waren wir praktisch alleine unterwegs als wir der aufsteigenden Sonne entgegen unter der imposanten Brücke hindurch ins Ketelmeer gelangten.Nur vereinzelt Berufsschiffahrt war unterwegs. Das Wetter besserte sich noch weiter und bald zogen wir unter blauem Himmel weiter unsere Spur ins Wasser. Die Luftmassen waren jedoch so instabil, dass sich später wieder Wolken auftürmen sollten und ein beachtliches Schauspiel boten.So langsam merkten wir auch schon die heute zurückgelegten Kilometer in unseren Knochen als wir in das IJmeer gelangten. Da wurden wir auch schon von den heftigen Wellen begrüsst die sich auf dieser riesigen Wasserfläche des Markermeeres bei mittlerweile wieder vorherrschenden 6 Bft bilden konnten. Dummerweise verliefen die Wellenkämme im rechten Winkel zu unserem geplanten Kurs. Die Schaukelei eskalierte, der knurrende Magen und die Müdigkeit trugen das Ihrige dazu bei, so das bald trotz angenehmer Abendsonne etwas kühlere Stimmung an Bord herrschte… Aber wir rauften uns zusammen und nach dem passieren der Schleuse in Muiden, mit herrlichem Blick auf das Schloss, erreichten wir die Vecht.Wie wir von Anderen erfahren haben soll dieser Fluss zu den schönsten Abschnitten auf unserem Weg ins Mittelmeer gehören. Bauten sich doch die reichen Amsterdamer Kaufleute entlang dieses mäandernden Flusses ihre prächtigen Wochenend- und Ferienhäuser. Bevor es Morgen also malerisch weitergehen soll, machen wir nach über 12 Stunden Fahrt und 110km in Weesp am zentralen Lieger fest und beschränken das Abendprogramm aufs Wesentlichste. Wir fühlen uns als hätten wir heute die Strecke zu Fuss zurückgelegt.

Statistenrolle für unser Boot

Dienstag 3. September 2019; Lemmer nach Urk 37km; Schleusen 3; Brücken 13 wovon 3 geöffnet wurden

Nach den hektischen letzten Tagen standen wir heute erst um 9 Uhr auf und nach einer heissen Dusche machten wir uns auf, zu Fuss die „Prinses Margeret-Schleusse“ zu besichtigen. Schleusten wir doch das letzte Mal vor einigen Monaten zusammen mit der Berufsschiffahrt und so konnten wir uns vor Ort ein Bild über die Möglichkeiten, in der Schleuse anzulegen, machen. Als wir zurück zum Boot kamen und uns auf das Ablegen vorbereiteten, die Maschine lief sich schon warm, sprach uns ein Crewmitglied von Guido Dwersteg an ob wir denn schon gehen würden. Sie hätten in unserer Abwesenheit Filmaufnahmen von Hafenmanövern gedreht und wenn wir nun gehen würden hätten sie nicht mehr die gleichen Bedingungen um die restlichen Aufnahmen zu drehen. Also stellten wir die Maschine wieder aus und warteten gespannt auf die Dinge die da kamen. Es war nun schon 13 Uhr geworden als alle Szenen im Kasten waren und wir uns wieder anschickten die nächste Etappe zu starten. Da uns nach der Schleuse gleich das IJsselmeer erwartete hatten wir den Wind immer im Blick. Der Windanzeiger verhiess nichts Gutes, 5 Bft auf dem IJsselmeer mit gelegtem Mast, Spass klingt anders. Aber es sollte ja nur ein kurzes Stück von ca. 5km sein und danach haben wir einen ruhigen Kanal der uns durch den Polder nach Urk führen wird. Unter den gegebenen Windverhältnissen zogen wir diesen Umweg dem direkten Weg über das IJsselmeer vor. Zuerst war da ja aber noch die Schleuse. Inklusive Wartezeit benötigten wir eine Stunde um diese zu passieren. Die Manöver klappten diesmal aber auch schon wieder viel besser. Als uns die Schleuse endlich ausspuckte wurden wir auch schon bald von den hier typische, kurzen und steilen Wellen begrüsst. Als wir 50 Minuten später in die „Friese-Sluis“ einfuhren legte sich der Spuk augenblicklich und das ruhige Kanalleben herrschte wieder vor. Es folgte eine recht ereignislose Fahrt durch einen kaum befahrenen Kanal vorbei an riesigen Gemüsefelder. Die Zwiebelernte war gerade im Gang und treibte uns beiden Tränen in die Augen. Nach einer letzten Schleusung hatte uns das IJsselmeer wieder und wir bogen sogleich in den Hafen von Urk ab, wo wir längsseits am langen Westkai festmachten. Und als hätten wir es wieder so geplant, konnten wir beim Festmachen einen herrlichen Sonnenuntergang geniessen. Aber der Wetterbericht für die nächsten Tage sieht nicht so rosig aus, 7 Bft Wind und Regen. Wir werden sehen…

Endlich wieder unterwegs…

Montag 2. September 2019; Heerenveen nach Lemmer 38,2km – Schleusen: 0, Brücken: 4 davon mussten 1 geöffnet werden

Der Zeitpunkt war gekommen, nach unserem „Heimaturlaub“, dem Bootstransport per LKW von Kollum nach Heerenveen und dem ungeplanten Werftaufenthalt sollte es endlich weiter gehen. Nachdem wir noch letzte Erledigungen getätigt, Diesel und Lebensmittel gebunkert und das Auto für mehrere Wochen eingestellt haben kamen wir erst gegen 15.30h los. Das revidierte Getriebe schnurrte wie ein Kätzchen, man merkte deutlich den Unterschied zu vorher. Bereits nach einer halben Stunde wurde ein erstes Anlegemanöver verlangt, da der Fahrplan der Niederländischen Eisenbahn mit unseren Plänen die Zugbrücke öffnen zu lassen nicht kompatibel waren. Man merkte deutlich, dass unsere Fähigkeiten etwas eingerostet waren. Danach waren keine Hindernisse mehr in der Karte vermerkt und unsere Fahrt konnte ungebremst weitergehen. Mit ca. 9km/h bewegen wir uns langsam aber sicher in Richtung Süden. Auf dem Sneekermeer wurde es noch einmal etwas ruppig, da der Wind doch recht stark blies. Gegen 20.15h legten wir mit den letzten Sonnenstrahlen in Lemmer im Hafen Tacozijl an. Unser Nachbar am Steg war uns nicht unbekannt, Guido Dwersteg den wir aus Youtube-Videos (Link zu seinem Youtube-Kanal) und einem Lehrfilm kennen lag direkt vor uns am Steg. Das dieser Umstand unsere Abfahrt am nächsten Tag verzögern sollte ahnten wir da noch nicht….

Inselrundfahrt – geschüttelt, nicht gerührt

Samstag 25.05.2019 Marstal, DK – Ærøskøbing, DK ; 11,3Nm 4h13min

Nach einem Tag Pause in Marstal, welcher aufgrund des starken Windes aus der falschen Richtung eingelegt werden musste und auch irgendwie dringend benötigt wurde. Wir hatten den Kraftaufwand unserer ersten Etappe etwas unterschätzt und so kam uns das Wetter am Freitag entgegen. In dem kleinen Ort fand genau an diesem Wochenende ein Akkordeonfestival in Hörweite des Hafens statt und so kamen wir in den zweifelhaften Genuss musikalischer Darbietungen und dänischer Ausgelassenheit bis spät in die Nacht. In Folge dessen wurde auch das Aufstehen am Samstag Morgen etwas herausgezögert. Nach einem kurzen Besuch im lokalen Supermarkt und beim Bäcker machten wir uns kurz nach 11 Uhr auf den Weg weitere Orte diese Märcheninsel zu erkunden. Ærøskøbing ist für seinen ursprünglichen Ortskern mit vielen kleinen und farbigen Häuschen bekannt. Auf dem Landweg, zu Fuss wären wir heute wohl schneller nach Ærøskøbing gekommen als auf dem Seeweg. Mussten wir doch aufgrund der geringen Tiefe in den Gewässern um die Insel einen nicht unerheblichen Umweg in Kauf nehmen. Zudem sind die befahrbaren Gewässer zwischen den Inseln Egholm und Birkholm nicht gerade breit und es muss mit Gegenverkehr von Fährschiffen gerechnet werden. Die Fahrrinne führt zwischen diesen beiden Inseln entlang eines kleinen Unterwasser-Canyons und da können bei entsprechenden Wind- und Strömungskonstellationen ungemütliche bis gefährliche Wellen entstehen. Auf dem Weg in dieses Gebiet konnten wir dann auch unser Boot erstmals unter Segeln ausprobieren, nur unter Genua schafften wir bei halbem Wind bereits mühelos über 5kn Fahrt über Grund zu machen. Nach der Wende war es uns dann nicht mehr möglich weiter zu segeln, da der Wind genau entlang der Engstelle auf uns zukam und der Platz zum Kreuzen beim besten Willen nicht ausgereicht hätte. Nachdem wir den Diesel gestartet hatten merkten wir schon bald, dass der Revierführer mit seinen Warnungen vor diesem Gebiet nicht übertrieben hat. Obwohl die Wellen nicht all zu hoch waren machte uns die Steilheit mit denen sie auf unser Boot trafen schon eher zu schaffen. Es dauerte circa eine Stunde bis wir aus dem Gröbsten raus waren und sich der Wellengang langsam beruhigte. Aber erst als wir wieder in der Abschattung der Insel Ærø waren beruhigte sich die Lage schliesslich ganz beruhigte. Das Anlegemanöver im Hafen gelang dann wiederum einwandfrei, langsam aber sicher denken wir die speziellen Kniffe einer Albin Vega zu kennen. Die Hafenanlagen in Dänemark sind alle ausnahmslos in einem guten bis sehr guten Zustand, die sanitären Einrichtungen sind sauber und zahlreich vorhanden und das WiFi ist auch von hervorragender Qualität, was anscheinend nicht überall in Europa so sein soll… 😉 Man muss jedoch sagen, dass die Liegegebühren auch nicht von schlechten Eltern sind. Bis zu 24€ für ein 27ft Boot inkl. Strom und Wasser, jedoch kosten selbst dann das Duschen und das WiFi nochmals extra. Positiv zu erwähnen gibt es allerdings, dass der öffentliche Bus auf der Insel kostenlos ist und mit einem erstaunlich dichten Takt verkehrt. So wäre es uns möglich gewesen, kurz nach Ankunft im Hafen mit dem Bus innerhalb von ca. 10 min die heutige Strecke zurück zu fahren. Wir benötigten mit dem Boot über 4 Stunden. Aber wir beschränkten uns darauf einen ersten Rundgang durch das malerische Städtchen zu machen und uns dabei immer mehr vom gemütlichen oder wie die Dänen sagen „hyggeligen“ Lebensstil anstecken zu lassen. Wir haben uns daher auch unabhängig vom Wetterbericht dazu entschlossen noch etwas in dem schönen Ort zu verweilen. Morgen feiert die Kapitänin ja auch noch Geburtstag, somit bleibt der Kahn fest im Hafen vertäut. Ob ich wohl noch einen Geburtstagskuchen organisieren kann oder ob es am Schluss doch die Fischbrötchen von der lokalen Fischräucherei im Hafen richten müssen erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag…

Die erste Etappe…

Donnerstag 23.05.2019 Lemkenhafen, D – Marstal, DK; 36,7Nm 8h35min Morgens um 7 Uhr klingelt bereits der Wecker, ein mittlerweile recht unbekanntes Gefühl geworden, sich vom nervigen Klang des Smartphones aus den Träumen reissen zu lassen. Jedoch gibt es noch so Einiges zu erledigen bevor wir uns auf die erste Etappe unserer Reise begeben können. Unser Auto werden wir für die nächsten Wochen in der Halle eines ortsansässigen Kranunternehmens und Lagerhallenbetreibers unterstellen ohne zu ahnen, welche Probleme wir beim Abholen des Fahrzeuges zu bewältigen haben werden. Nachdem alles erledigt war und wir uns beim Hafenmeister abgemeldet hatten stieg der Adrenalinpegel markant an, hatten wir doch ausser den beiden kleinen Hafenmanövern in den letzten Wochen keinerlei Erfahrung mit dem Handling unseres Bootes sammeln können. Aber der grosse Moment war gekommen, reichlich nervös aber trotzdem erstaunlich problemlos legten wir um 11.45h rückwärts aus unserer Box ab und schafften es ohne materiellen oder personellen Schaden den Hafen zu verlassen und über die ausgebaggerte Fahrrinne das „offene“ Wasser zu erreichen. Auch umschifften wir die zahlreichen Untiefen im „Orther Ree“, welche in den letzten Tagen bereits anderen Seglern zum Verhängnis wurden. Diese wurden jedoch glücklicherweise von zufällig vorbeifahrenden Fischern zurück ins tiefere Wasser gezogen und konnten ihre Fahrt ohne Schaden aber mit einem ordentlichen Schrecken weiterführen. Wettertechnisch konnten wir auch nicht meckern, schien doch die Sonne mit voller Kraft vom Himmel und ein laues Lüftchen kühlte uns sogleich wieder ab. Zum Segeln jedoch war dieser Wind nicht zu gebrauchen zumindest nicht für uns, mussten wir doch genau in die Richtung wo der Wind herkam und das ist mit einem Segelboot nur mit Aufkreuzen zu erreichen, was bei der anstehenden Strecke jedoch zu lange gedauert hätte. Also entschieden wir uns, wie alle anderen Boote die auf dem gleichen Kurs unterwegs waren, die Maschine zu Hilfe zu nehmen und die Segel aufgerollt und verstaut zu lassen. Und so tuckerten wir ohne nennenswerte Vorkommnisse über die offene Ostsee. Ein Urlaubsgefühl konnte sich jedoch nicht recht einstellen, da wir uns dieser surrealen Situation ,endlich unterwegs zu sein, noch nicht recht hingeben konnten. Aber je länger die Überfahrt dauerte umso entspannter waren wir und konnten die Fahrt sogar geniessen. Ca. 5 Seemeilen vor der dänischen Insel Langeland wurden wir jedoch immer mehr von kleinen, schwarzen Käfern heimgesucht. Zu hunderten bedeckten diese nicht gerade flinken aber lästigen, kleinen Biester unser Boot und verdreckten das Deck, da sie von allerlei beweglichen Teilen und Gegenständen platt gedrückt wurden. Wie wir später in Erfahrung bringen konnten, handelt es sich dabei um den Rapsglanzkäfer und wir waren nicht die Einzigen die „attackiert“ wurden auf der Überfahrt. Nach diesem kleinen Aufreger mussten wir uns aber auch schon bereit machen für die Ankunft in Marstal auf der Insel Ærø. Die Anfahrt des örtlichen Hafens ist gut betonnt aber auch relativ schmal, weshalb wir uns nach der eher legeren Überfahrt eher wieder etwas mehr konzentrieren und den Kurs exakt halten mussten. Das Anlegemanöver klappte dann zwar nicht perfekt aber mit freundlicher Hilfe auf dem Anlegesteg und etwas Gefluche auf unserem Boot waren wir schliesslich nach ein paar Minuten um 20.20h auch sicher vertäut und froh diese erste Etappe geschafft zu haben. Äusserst freundlich wurden wir von der Crew der Yacht „Karo As“ begrüsst und umgehend mit einem kühlen Anlegerbier willkommen geheissen. So brauchte es dann auch keine grossen Überredungskünste mehr um an diesem ereignisreichen Tag früh schlafen zu gehen und so vielen wir bald darauf beide in einen seeligen und tiefen Schlaf.

Umweg in die Südsee

Der grosse Tag ist da… Bis auf ein paar kleine Baustellen sind wir mit allen Vorbereitungsarbeiten fertig geworden. Sogar unser Bootsmannstuhl kam bereits erstmals zum Einsatz, wurde doch unsere steuerbordseitige Flaggleine beim letzten Starkwind in Mitleidenschaft gezogen und zur Reparatur musste ich in den Mast gehievt werden. Auch unser Petroleum-Kocher befindet sich noch bei Chr. Weimeister in Hamburg zur Revision, so dass wir aktuell noch mit einem Gaskartuschen-Kocher vorlieb nehmen müssen. Wir haben uns entschieden, dass wir Morgen Donnerstag ablegen und unser erstes Ziel anlaufen wollen. Um das Boot noch besser kennen zu lernen und ausgiebig testen zu können, ist geplant erstmal einen Umweg in die Inselwelt der dänischen Südsee zu fahren. Bevor dann die knapp 100km Motorfahrt durch den Nord- Ostseekanal anstehen und danach die raue Nordsee wartet. Aber wir konnten bisher unseren Zeitplan trotz einiger Stolpersteine einhalten und sind frohen Mutes dass nun auch bald das Wetter noch etwas freundlicher wird. Aber erst gilt es aufs Wochenende hin die vorausgesagten Böenspitzen von bis zu 35 Knoten abzuwettern. Für Spannung wird auf jeden Fall gesorgt sein…