Ab in den Norden

Eine turbulente und auch emotionale Zeit geht zu Ende, eine spannende und hoffentlich eindrucksvolle Phase unseres Lebens hat begonnen. Beide Wohnungen sind leergeräumt, die Jobs quittiert, den Lieben ein erstes Mal Adieu gesagt und dann gilt es alle nötigen und weniger nötigen Gegenstände ins Auto oder Wohnmobil, in welchem wir die nächsten Wochen leben werden, zu laden. Meine Mutter Edith fuhr zusammen mit meinem Bruder Adrian bereits am Freitag den 08. Februar um 4 Uhr in der Früh mit dem Wohnmobil los, knappe 14h Fahrt und 1100km standen auf ihrem Programm. Nachdem wir den Freitag noch mit letzten Arbeiten verbracht haben folgten wir ihnen um 19 Uhr mit unserem vollgestopften Auto nach. Bedingt durch die Nachtfahrt war die Autobahn frei, bis auf zwei Abschnitte vor Hannover welche gesperrt waren und wir auf die Landstrasse ausweichen mussten, so dass wir am Samstag morgens bereits um 5.45 Uhr unser Auto neben das Wohnmobil parkten und uns sogleich etwas hinlegen konnten um den verpassten Schlaf nachzuholen. Zur Mittagszeit gesellten wir uns zu den beiden Vor-Gereisten und starteten unser norddeutscher Aufenthalt mit einer Tasse Kaffee. Das Wetter hatte keinerlei Erbarmen mit uns, es regnete in Strömen und der Wind pfiff ordentlich um die Schiffslagerhallen. So ungemütlich wie nur möglich, wenn man zu viert auf engstem Raum im Wohnmobil „gefangen“ ist. Da flüchteten wir alsbald in eine Bar auf der Insel und machten uns daran unseren Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Bei einem gemütlichen Abendessen liessen wir die ersten Eindrücke und die lange Anreise etwas sacken und so dauerte es nicht lange bis alle Lichter im Wohnmobil erloschen sind und Ruhe einkehrte. Da sich das Wetter am Sonntag nicht wirklich gebessert hatte und die Motivation für Unternehmungen sich entsprechend in Grenzen hielt, beschränkten wir uns auf einige kleine organisatorischen Arbeiten und zu Beginn des Nachmittags galt es bereits unsere hilfsbereiten Begleiter an den Flughafen Hamburg zu fahren, damit sie ihren Flug nach Basel rechtzeitig und ohne Stress erreichen konnten. Nachdem wir ihnen an der Sicherheitskontrolle ein letztes Mal zum Abschied gewunken haben waren wir nun also alleine und auf uns gestellt. Und so fuhren wir mit gemischten Gefühlen zurück auf „unsere“ Insel. Nun gilt es in den nächsten Tagen alles aufzugleisen, mit den verschiedenen Gewerken einen Termin zu vereinbaren und unser Boot langsam auf die anstehende Reise vorzubereiten. Einen Haufen Arbeit der ansteht und es ist gar nicht so einfach zu wissen womit man den nun beginnen soll. Aber dies wird sich in den nächsten Tagen weisen. Mehr zu den erledigten Arbeiten werden wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Alea iacta est – Die Würfel sind gefallen

Ende Oktober war es soweit, wollten wir unseren Zeitplan einhalten war dies der Augenblick wo es ernst galt und unsere Arbeitsstellen, Mietverträge, Versicherungen und weitere laufende Verpflichtungen, welche sich über die Jahre eines zivilen Lebens ansammeln, zu kündigen waren. Ein einschneidendes Erlebnis, den langjährigen Chef zum Gespräch einzuladen und ihm die Nachricht zu überbringen. Etwas Wehmut bleibt trotzdem, habe ich doch gerne für diesen Arbeitgeber gearbeitet und die Arbeit gefiel mir. Bei Yael und ihrem Grossarbeitgeber lief das ganze viel unpersönlicher ab und ein eingeschriebener Brief übernahm die Aufgabe der Nachrichtenübermittlung. Wenn ich ehrlich bin, brauchte es schon mehr Überwindung als gedacht, alle Sicherheiten im Leben aufzugeben und somit den „ersten“ Schritt unserer Reise zu gehen. Aber nun gibt es kein Zurück mehr, auch wenn wir der Überzeugung sind eine Wiedereingliederung wäre zu jedem Zeitpunkt wieder möglich. Aber die Rückkehr soll nach unserem Ermessen ja auch erst wieder in einigen Jahren ein Thema werden.

Nun laufen also die letzten 3 Monate in einem geregelten Leben, auch wenn die noch anstehenden Arbeiten und Pendenzen nicht das Gefühl aufkommen lassen in einem vom Alltag geprägten Ablauf zu stecken. So stehen Wohnungsbesichtigungen an, gute Plätzchen für die Haustiere wollen gefunden werden, diverse Behördengänge und administrative Arbeiten müssen erledigt werden. Immer mehr kommen wir zu der Überzeugung, dass sich dieser Aufwand lediglich lohnt wenn dann auch die Reisezeit entsprechend lang ausfällt. Beim Gedanken daran, lediglich für einige Monate des Reisens einen solchen Aufwand zu stemmen sind wir froh uns einen weiteren Horizont gesteckt zu haben. Auch wenn es nur noch drei Monate dauert, bis wir auf unser Boot ziehen werden scheint dieser Punkt noch so weit entfernt und trotzdem mahnt einem der Kalender vor dem baldigen Tag X. Neben den noch anstehenden Arbeiten und Pendenzen widmen wir uns auch ausgiebig dem sozialen Leben und unserem Umfeld. Wollen doch alle Freunde und Bekannte noch einmal besucht werden und auch wir haben das Bedürfnis noch möglichst viel Zeit mit unseren Familien und Freunden zu verbringen und saugen diese Momente jeweils regelrecht in uns auf. Über diese gemeinsame Zeit legt sich aber auch ein leicht grauen Schleier, wissen wir ja nicht was das Leben für die Daheimgebliebenen bereit hält und ob wir alle wiedersehen werden. Wir mussten in der Vergangenheit lernen, einen idealen Zeitpunkt für die Abreise gibt es nicht. Entweder fehlt die Zeit, das Geld, beides zusammen oder es passt einfach gerade nicht in den Lebensentwurf. Wir stellen uns auch ab und zu die Frage wie sich wohl unsere Heimat in der Zeit verändern wird. Stehen doch zum Beispiel einige grössere Bauprojekte in der Region an welche das Gesicht und die Landschaft verändern und prägen werden. Alles in allem schwimmen wir in einem grossen Topf an gemischten Gefühlen, Erwartungen und Befindlichkeiten. Die Vorfreude ist jedoch das vorherrschende Gefühl und soll es auch bleiben. Wir haben diesen Weg eingeschlagen und sind fest gewillt diesen zusammen zu gehen und alle Aufgaben zu meistern die in naher und ferner Zukunft auf uns zurollen werden.

Und so geniessen wir den letzten „kalten“ Winter für lange Zeit und lassen uns noch einige saisonale Köstlichkeiten schmecken welche unterwegs kaum zu beschaffen sein werden oder bei den vorherrschenden Temperaturen in unserem Reisegebiet schlicht unangebracht wären. Was auch der Grund sein dürfte wieso Glühwein in der Karibik keinen reissenden Absatz findet. Wobei bei den aktuellen Temperaturen bei uns in der Schweiz sich die Nachfrage danach auch in Grenzen halten wird. Wenn ich jedoch an die im Februar geplanten Arbeiten am Boot, in einer ungeheizten Halle an der Ostsee denke, wäre ich einem milden Winter nicht abgeneigt. In diesem Sinne: „Möge uns das Wetter gnädig sein und der Himmel nicht auf den Kopf fallen – beim Teutates“

Wir haben unser Boot gefunden… Oder hat es uns gefunden?

  1. – 14. Januar 2018, Hamburg/Insel Fehmarn

 

Mit eisigem Wind und schmuddeligem Wetter empfängt uns Hamburg im noch jungen Jahr 2018, als wir uns aufmachten einige Boote zu besichtigen. Dafür hatten wir uns etwas ausserhalb von Hamburg ein gemütliches Hotelzimmer gebucht und uns einen Leihwagen gemietet um entsprechend mobil zu sein und auch die etwas dezentraleren Häfen abzuklappern. Natürlich hatten wir uns bereits mehrere Hundert Inserate durchgesehen und uns auf zwei bis drei Bootstypen festgelegt, welche sich alle bereits mehrfach als Blauwasseryachten bewährt haben und zum Teil auch schon Reisen in hohe Breiten absolvierten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass wir bereits am ersten Tag, bei der zweiten Besichtigung, unser neues Zuhause finden sollten. Nachdem wir uns etwas dem Sightseeing in der schönen Stadt Hamburg hingegeben hatten und auch Frau Möller unsere Aufwartung machten, sollte es am nächsten Tag mit dem Leihwagen übers Land, weiter in Richtung Norden auf die Insel Fehmarn gehen. Wie es der Zufall wollte waren auf diesem relativ kleinen Eiland zum selben Zeitpunkt gleich mehrere uns zusagende Bootstypen zum Verkauf ausgeschrieben. Als erstes stand gleich am morgen früh die Besichtigung einer Hallberg-Rassy Monsun 31 an und als wir gedanklich bei diesem Schätzchen etwas die angesammelte Patina entfernten, welche dem externen Stellplatz geschuldet war, konnten wir uns bereits ganz gut vorstellen dieses auch zu bewohnen und mit Leben zu füllen. Jedoch wollten wir uns noch nicht festlegen, denn es wäre ja naiv gewesen ohne grosse Vergleichsmöglichkeiten und ohne jegliche Bootskauferfahrung gleich das erstbeste Angebot anzunehmen. Also ging es nach der Verabschiedung der Bootsmaklerin zurück ins Auto und dann ohne Umwege ins nächste Kaffeehaus um die bereits tiefgefrorenen Extremitäten wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem wir uns gestärkt hatten und auch wieder etwas aufgetaut waren ging es weiter ins Nachbardorf um in einer Schifflagerhalle das nächste potentielle Boot zu besichtigen. Und was soll ich sagen… Es war Liebe auf den ersten Blick. Ebenfalls eine nordische Schönheit wie das Boot am Vormittag, jedoch um 4 Fuss kürzer und trotzdem entsprach dieses Boot eher unseren Ansprüchen, da bedeutend mehr an Stauraum und vor allem etwas mehr Stehhöhe für Yael vorhanden war. Es ist eine Albin Vega 27 aus der schwedischen Werft Vega Marin AB. Bekannt für seine Seetauglichkeit, viel Stauraum, stabile Bauweise und der grossen Eigner-Community welche einem sicher gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen wird… Zudem können bei über 3000 gebauten Booten, Kinderkrankheiten bei unserer Seriennummer 3091 fast gänzlich ausgeschlossen werden. Da der Eigner bei der ersten Besichtigung leider noch nicht anwesend sein konnte und daher noch einige Fragen zu klären waren, mussten wir leider weiterziehen ohne den Handel in trockenen Tüchern zu wissen. Am Abend liessen wir die Eindrücke bei einem leckeren Abendessen und einigen Verdauungshelfern ausklingen. Nach dem Essen, als wir zurück im Hotel waren, unterhielten wir uns noch ausgedehnt über die beiden besichtigten Boote. Relativ schnell wurde uns klar, dass beide sich sehr wohl fühlten auf dem Boot und wir es nur zu gerne als unser zukünftiges, schwimmendes Zuhause sahen. Ein knochentrockenes Boot, sehr gut in Schuss, zu einem fairen Preis und mit einem Renommee ausgestattet, dass es uns erlaubte trotz fehlendem Probesegeltag dem Eigner unsere Zusage zu übermitteln. Somit hatten wir unser Ziel, ein passendes Boot zu finden, schneller erreicht als gedacht und mit einem guten Gefühl konnten wir uns noch etwas dem Sightseeing widmen und bereits die nächste Reise in den Norden Deutschlands planen, gab es doch noch einiges zu klären, den Papierkram zu erledigen und überhaupt erstmal den Voreigner zu treffen und so weiter. So reisten wir zurück in die tief verschneite Schweiz mit dem Wissen, Anfangs April erneut nach Hamburg zu fliegen und einen weiteren Schritt auf dem Weg zu unserem grossen Ziel gegangen zu sein. Die Vorfreude steigt…

Der frühe Vogel fängt den Wurm… oder so!!!

Geplant war am Wochenende um den 1. März an den Solent zu fahren um unser „Traumschiff“ das erste Mal zu besichtigen. Als ich den Broker nach längerem Emailkontakt anrief um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren, erfuhr ich dass dieser soeben unterwegs war „unser“ Schiff an jemanden Anderen zu übertragen… An die Erfahrung gwöhnt, dass jedes Ereignis seinen guten Grund hat wollen wir nicht hadern und sehen entspannt dem entgegen, was da kommen mag. Und Schiffe, welche zum Verkauf stehen gibt es ja auch zur Genüge… Wir werden sehen und es Euch an dieser Stelle wissen lassen, sollte sich ein Favorit heraus kristallisieren.

Erster Eintrag

An dieser Stelle werden wir in Zukunft alles Erlebte und sämtliche Erfahrungen unserer Reise auf eigenem Kiel veröffentlichen, damit alle Zuhausegebliebenen an unserer Reise teilhaben können.

Solltest Du Fragen zu unserem Schiff, unserer Reise, technischen Aspekten oder sonst einem Thema haben stehen wir gerne Red und Antwort.

Bis dahin immer handbreit Wasser unter dem Kiel.

Yael & Dänu